Der Stimulator läuft

Heute wurde der Stimulator aktiviert. Es ist ein wenig wie bei der OP. Langsames hochfahren der Spannung bis es kribbelt. Morgen machen wir das nochmal: Bis wir ein optimales Ergebnis haben. Aktuell wird das über ein Laptop vom Hersteller gemacht. Erst wenn alle Einstellungen perfekt sind, dann werde ich die Steuerung über mein Handgeräte übernehmen.

Heute habe ich erfahren, dass es am Freitag zunächst nach Hause gehen soll. Ich freu mich, meine Kids wiederzusehen. Am Montag geht es dann nochmal nach Mainz. Fäden ziehen… ja, das muss auch sein.

Übrigens: wir (also eher Ihr) knackt bald die 1000er- Marke! Aktuell hat der Blog 967 Zugriffe!

Ach, und nochmals… ich war in der Firma bestimmt drei Jahre nicht mehr in der Kantine. Ich konnte einfach das Tablett nicht mehr sicher halten. Heute war ich im Kasino der Unimedizin. Ich hatte nicht wirklich Hunger. Ich wollte einfach mal ausprobieren, wie sich das mit dem Tablett anfühlt. Und ich sag Euch: großartig!

Ich muss immer wieder ein paar Wochen zurückdenken. Ich war bei einer betriebsärztlichen Vorsorgeuntersuchung. Dort hat mir der Arzt die ganze Zeit davon erzählt, dass ich mehr Gemüse essen solle. Ich hab ihm immer gesagt, dass ich nicht in die Kantine gehen kann/will, weil ich das Tablett nicht halten kann. Er hat mein Problem einfach nicht verstanden. Ich habe ihm von der bevorstehenden Tiefen Hirnstimulation erzählt und von einem Essentiellen Tremor. Damit kenne er sich nicht aus… Ich solle einfach Kollegen frage, ob die mir mein Tablett tragen… Nein! Jetzt kann ich es wieder selber!

Die OP gestern

War lang… sehr lang, aber ich war unglaublich froh, als alles vorbei gewesen ist und ich in den Aufwachraum kam. Im Aufwachraum war ich deshalb, weil nach dem Einsetzen der Elektroden direkt der Stimulator eingesetzt wurde – und dieser Teil der OP erfolgte unter Vollnarkose. Doch nun der Reihe nach: zunächst die wichtige Info – es war alles so, wie vorab durch das Team der Unimedizin angekündigt. Es gab keine Überraschung. Wir starteten ca 08:15 Uhr mit der Montage des Stereotaxierahmens. Ich bekam an vier Stellen meines Kopfes eine lokale Betäubung. Die hielt die gesamte Operation. Auf Nachfrage sagte der Neurochirurg, dass es ihm in den letzten 15 Jshren nur einmal vorgekommen sei, dass er hierbei unter der eigentlichen OP nachspritzen musste… Beruhigend… Aber der Rahmen ist auch ein angsteinfössendes Hilfsmittel. Nachdem alles montiert war, brachte mich der Neurochirurg zum CT. Dort musste ich ein paar Minuten warten. Das eigentliche CT war dann schnell gemacht. Drei Minuten höchstens. Und die erste Möglichkeit, den Komfort des Rahmens kennenzulernen. Es war tatsächlich so, dass man seinen Kopf ohne Schmerzen hängen lassen kann. Obwohl ich mir das vorher nicht vorstellen konnte. Ich hatte also eine Idee, wie ich mich während der OP fühlen würde…

Nach dem CT ging es in den OP. Dort habe ich auch nochmal ca. eine Stunde gewartet, weil der OP doch durch eine kurzfristige OP blockiert war. Aber es gab ein paar nette Mitarbeiter, die mir die Wartezeit erträglich gemacht haben…

Dann ging es los: ab in die OP Vorbereitung mit viel Pieksen und Zwacken. An beiden Händen venöse Zugänge, am linken Arm ein arterieller Zugang. Dann hat mir der Chrirurg die Haare dort rasiert, wo er später arbeiten würde (er hatte in meiner Wartezeit nochmal den exakten Weg für die Elektrode festgelegt). Dann ging es ans Eingemachte. Ich wurde in den OP geschoben. Es lag eine erwartungsvolle Spannung in der Luft. Ich weiß nicht mehr genau, zu welcher Zeit das erste Bohrloch gemacht wurde. Das war der für mich Moment, vor dem ich den größten Respekt hatte. Jeder, der schon mal ein Loch in eine Regipswand gebohrt hat, weiß wie es ist, wenn man mit zuviel Schmackes bohrt. Man rauscht durch die Hohlräume dahinter wie nix gutes. Hinter meinem Schädel ist aber nun mal erwiesenermaßen kein Hohlraum! Sondern, und das beruhigt an der Stelle nicht wirklich, schmerzunempfindliche Hirnmasse, die natürlich andere Funktionen hat, als Bohrer aufzufangen. alles ging schneller als Gedacht und bevor ich mich versah, hatte der Neurologe bereits die erste Testelektrode begann zu testen. Hier war ich jetzt gefragt: ich musste zeichnen, schreiben und bestimmte Dinge aufzählen… und ich habe gemerkt, dass dies wirklich Sinn macht, weil bei unterschiedlicher Position und Stärke der Impulse unterschiedliche Resultate aufs Papier kamen. Endlich hatte der Professor die richtige Position gefunden. Das Zittern war fast vollständig weg. Und das unter solch einer stressigen Situation! Wahnsinn!

Dann wurde die endgültige Elektrode gesetzt und nochmals getestet. Dann erfolgte das Verschließen des Loches. Als alles fertig war, wusste ich, dass ich die Hälfte der Zeit hinter mir hatte.

Die zweite Hälfte lief genau nach dem gleichen Schema ab. Wir hatten allerdings einen Effekt, den wir in der ersten Runde nicht hatten. In der rechten Hirnhälfte sprach ich viel schneller auf die Stimulation an. Ich konnte plötzlich meine Linke Körperhälfte nicht mehr kontrollieren und kaum sprechen – das war schon Spooky. Aber sobald die Stimulation ausgeschaltet wurde, war alles wieder gut.

Irgendwas war anders mit der rechten Hirnhälfte, aber keiner war offensichtlich Irritiert. Neurologe und Neurochirurg haben sich kurz zurückgezogen und beraten. Dann wurde die besprochenen Schritte durchgeführt.

Beim Nähen des zweiten Loches hatte ich tatsächlich mehr Schmerzen als erwartet. Ich bekam direkt noch lokale Betäubung nachgespritzt und alles war wieder aushaltbar. Als das zweite Loch zu war, wurde der Stereotaxierahmen abgeschraubt und ich konnte meinen Kopf endlich wieder ablegen. Das muss so gegen halb vier gewesen sein.

Jetzt ging es noch kurz darum, ob der zweite Teil (Einsetzen des Stimulators und verbinden mit den Elektroden) durchgeführt wird. Ich habe wahrgenommen, dass es da eine kurze Besprechung durchgeführt wurde… Aber letztlich kam ich dran. Der Chirurg lies keinen Zweifel zu – das war mein Eindruck. Er hat sich nur eine kurze Pause genommen. Immerhin war er seit vielen Stunden ununterbrochen mit mir beschäftigt..

Im OP wurde es gefühlt kälter. Wahrscheinlich, weil kein Adrenalin mehr ausgeschüttet wurde… ich bat um eine zusätzliche Wärmedecke. Doch bevor ich diese bekam, schlief ich schon ein und wachte etwas desorientiert auf. Ich fühlte mich richtig gut und wollte nur noch zu meiner Frau, die draußen wartete…

Aber ich war dann noch für eine Zeit im Aufwachraum unter medizinischer Betreuung. Dann ging es zurück auf Station. Und – natürlich war meine Frau da. Und ich auch – wie ich es versprochen habe 😃.

Alles in Allem ein anstrengender und erfüllter Tag! Die darauf folgende Nacht war noch etwas anstrengend, weil ich nicht schlafen konnte und lieber die ganze Nacht eure lieben Reaktionen verfolgt habe – zudem haben die Wunden dann doch etwas geschmerzt (dagegen gab es eine Schmerztablette und dann war alles gut.

Am nächsten Tag stand ich in der Cafeteria der Unimedizin und tat etwas, was seit Jahren undenkbar war. Ich hielt eine volle Tasse Kaffee mit nur einer Hand! Sie zitterte nicht. Obwohl der Stimulator nicht eingeschaltet war. Das liegt am Setzeffekt – d. H. Einem erwarteten Effekt. Die stimulierten Areale haben noch genug Stimulation von den Elektroden an sich…

Aber irgendwann muss der Strom fließen. Nächste Woche!

Liebe Grüße und Danke für eure Unterstützung!

Ben

Schaut mal ich, keine 24 Stunden nach der OP!

Eine Nacht noch…

Alle Details sind geklärt, jetzt heißt es ausruhen für den morgigen Tag. Kurz nach 8 starten wir mit dem Befestigen des Stereotaktischen Rahmens. Anschließend gibt es noch ein bildgebendes Verfahren inkl. des Rahmens am Kopf. Die Bilder werden dann über die Bilder gelegt, die vor wenigen Wochen gemacht wurden. Damit können die Mediziner den exakten Weg planen. Anschließend geht es in den OP und der Eingriff beginnt. Der Neurochirurg plant nach den Elektroden auch direkt den Stimulator einzusetzen.

Der behandelnde Neurologe hat aus seiner Sicht vorher auch noch jeden Schritt erklärt. Wir werden unter der OP einige Tests durchführen.

Achja: Zum Ende des Gesprächs mit dem Neurochirurgen kam noch eine für mich positive Überraschung. Ich wurde gefragt, ob ich mir vorstellen könnte, dass die OP auf Video aufgezeichnet wird, um das Video später in der Lehre zu verwenden! Natürlich! Nichts lieber als das!

Ich fühle mich bestens informiert und kann nach meiner Einschätzung sagen, dass hier alles getan wird, um mit größter Sorgfalt und Umsicht die OP vorzubereiten.

Also, es wird ein spannender Tag. Dieser 08.02.1018… Auch Altweiber in Mainz – Helau 😃

Jetzt ist warten angesagt

Gestern gab es noch ein Gespräch mit der OP-Managerin und dem Stationsarzt. Die OP-Managerin erwartet, dass es morgen früh ca 07:30 Uhr losgeht. Aber ganz genau erfahre ich den zeitlichen Plan erst heute Abend oder morgen früh. Jedenfalls heißt es, dass ich ab heute Abend (genaugenommen Mitternacht) nix mehr essen oder trinken darf.

Heute wird es wohl noch ein Gespräch mit dem Neurochirurgen und dem Neurologen geben, die mit mir dann den für morgen konkret geplanten Ablauf durchsprechen. Für mich wird noch spannend, welches Gerät es nun endgültig wird und, ob die OP in einem Zug du geführt wird. Je nach den Umständen (Konstitution des Patienten unter, andere Einflüsse wie Zeit oder Notfälle etc.) kann die OP in einem Zug durchgeführt werden oder auf zwei Teile aufgeteilt und an verschiedenen Tagen durchgeführt werden. Der erste Teil ist das Einsetzen beider Elektroden in das Hirn. Dazu werden im Rahmen einer Stereotaktischen Hirnoperation über zwei Löcher im Kopf die beiden Elektroden eingesetzt und in ersten Tests wird die Platzierung und Wirkung geprüft. In einem zweiten Teil der OP werden dann Kabel unterhalb der Haut bis zum Brustbereich geführt. Dort wird dann unterhalb des Schlüsselbeins eine Tasche gebildet, die den „Hirnschrittmacher“, also den Neurostimulator aufnimmt, der dann mit den Kabeln verbunden wird. Der erste Teil der OP wird unter örtlicher Betäubung durchgeführt. Für den zweiten Teil wird eine Vollnarkose gemacht.

Mich haben schon Einige gefragt, ob man dann eine Kabelanschluss „nach Außen“ hat. Nein, das ist nicht so. Steuern kann der Arzt das Gerät (und in einem gewissen Rahmen auch der Betroffene) wireless, also kabellos. Auch das Aufladen geschieht ohne Kabelbindung bzw. gar nicht bei einer fest verbauten Langzeitbatterie – dies wäre meine bevorzugte Variante. Nun, warten wir es ab.

Ansonsten: ich bin froh, dass ich das iPad mithabe. Ich wollte mir heute um 07:15 Uhr Zeitungen kaufen am Kiosk im Gebäude. Sieht etwas schwierig aus. Man muss offenbar früh dran sein. Es gab noch genau 3 mal die Allgemeine Zeitung und einmal die FAZ. Dafür aber einen riesen Stapel BILD 🤣. Also muss man früh da sein. Das wäre dann auch für Freitag früh mein Plan: selbst Zeitung holen 😉.

Von meinem Zimmernachbarn trennen mich Welten! Aber darüber will ich hier nicht schreiben – dies hätte Potenzial für einen eigenen Blog 😉.

Ich hab schnell noch mal ein Foto gemacht. Und – zur Info – das orange Kabel hat nix mit der THS zu tun 😉