Heute war ein wichtiger Tag

Auf diesen Tag hab ich lange gewartet… Heute habe ich mir zugetraut, dass ich auf einer Tagung wieder mal vor Mitarbeitern einen Vortrag halte. Das war in den letzten Jahren immer schwieriger geworden und zum Schluss eigentlich nur noch unter größten Anstrengungen möglich. Und heute? Ich war seit Tagen nervös, wollte den „Test“ aber in jedem Fall machen. Und: es hat funktioniert! Natürlich war das Zittern nicht total weg, man hat es schon im Ansatz gespürt. Aber es ist kein Vergleich zu vorher!

Ich bin unglaublich happy!

Fliegen mit dem Stimulator

Heute bin ich das erste mal mit dem Stimulator geflogen. Der Security-Check lief etwas anders ab, als bisher. Ich habe einen Patientenausweis, den ich bisher noch nie brauchte. Das Prozedere beim Security-Check war Folgendes:

  • Ganz normal in der Schlange anstehen
  • Seine Sachen vor der Kontrolle in die Schalen legen
  • Dem Security-Menschen das Kärtchen zeigen
  • Der ruft dann den Menschen, der die Kontrolle durchführt und informiert den darüber, dass man nicht durch die normale „Durchleuchtung“ geht
  • Man wird dann überhaupt nicht „elektronisch“ kontrolliert, sondern nur abgetastet.

Etwas gewöhnungsbedürftig, aber geht schon 😉

Vier Wochen

Vier Wochen ist die OP jetzt her. Es ist verrückt, wie schnell die Zeit vergeht. Ich habe schon einige Anfragen bekommen, wie es mir denn jetzt geht – im Blog sei ja nichts mehr zu lesen. Ja, es ist tatsächlich so, dass in den letzten vier Wochen der Blog etwas „gelitten“ hat. Ich hatte aber auch genug andere Sachen zu tun…
Nun nochmal der Reihenfolge nach. Am 15. Februar wurde ich nach Hause entlassen. Die Tage bis dahin in der Klinik waren geprägt von ein paar Nachuntersuchungen und ersten Einstellungen des Schrittmachers. Aber alles in allem sehr ruhige Tage. Am 15., also genau eine Woche nach der OP, ging es dann wieder nach Hause. Das war für alle überraschend schnell. An dem Tag habe ich die Kids aus der Kita abgeholt. Sie wussten auch nichts davon. Umso größer war die Überraschung. Es war schön wieder zu Hause zu sein.

Am 16. Februar war ich dann beim Hausarzt zur Vorstellung. Dort war auch alles in Ordnung. Noch schnell die Pflaster gewechselt und dann Start ins erste entspannte Wochenende!

In den folgenden zwei Wochen habe ich mich so langsam vollständig regeneriert. Der Hausarzt hat mich auf Empfehlung der Uni noch zwei Wochen krank geschrieben, also alle Zeit der Welt. um wieder vollständig auf die Füße zu kommen. In den zwei Wochen hatte ich noch zwei Termine in der Uni. Fäden ziehen und weitere Einstellung des Schrittmachers. Das wird sich auch noch eine Weile hinziehen, ist aber völlig unproblematisch und das Wissen darum, dass es immer noch Optimierungspotenzial gibt ist doch sehr positiv.

Seit dieser Woche bin ich wieder im Büro und was soll ich sagen? Es geht mir vieles so viel leichter „von der Hand“. Ich war auch schon zweimal in der Kantine. Das Tablet zu tragen  geht jetzt wieder. Das ist vielleicht eine Kleinigkeit, aber für mich fast das deutlichste und größte Zeichen.

Ich freue mich einfach auf die kommende Zeit!

Der Stimulator läuft

Heute wurde der Stimulator aktiviert. Es ist ein wenig wie bei der OP. Langsames hochfahren der Spannung bis es kribbelt. Morgen machen wir das nochmal: Bis wir ein optimales Ergebnis haben. Aktuell wird das über ein Laptop vom Hersteller gemacht. Erst wenn alle Einstellungen perfekt sind, dann werde ich die Steuerung über mein Handgeräte übernehmen.

Heute habe ich erfahren, dass es am Freitag zunächst nach Hause gehen soll. Ich freu mich, meine Kids wiederzusehen. Am Montag geht es dann nochmal nach Mainz. Fäden ziehen… ja, das muss auch sein.

Übrigens: wir (also eher Ihr) knackt bald die 1000er- Marke! Aktuell hat der Blog 967 Zugriffe!

Ach, und nochmals… ich war in der Firma bestimmt drei Jahre nicht mehr in der Kantine. Ich konnte einfach das Tablett nicht mehr sicher halten. Heute war ich im Kasino der Unimedizin. Ich hatte nicht wirklich Hunger. Ich wollte einfach mal ausprobieren, wie sich das mit dem Tablett anfühlt. Und ich sag Euch: großartig!

Ich muss immer wieder ein paar Wochen zurückdenken. Ich war bei einer betriebsärztlichen Vorsorgeuntersuchung. Dort hat mir der Arzt die ganze Zeit davon erzählt, dass ich mehr Gemüse essen solle. Ich hab ihm immer gesagt, dass ich nicht in die Kantine gehen kann/will, weil ich das Tablett nicht halten kann. Er hat mein Problem einfach nicht verstanden. Ich habe ihm von der bevorstehenden Tiefen Hirnstimulation erzählt und von einem Essentiellen Tremor. Damit kenne er sich nicht aus… Ich solle einfach Kollegen frage, ob die mir mein Tablett tragen… Nein! Jetzt kann ich es wieder selber!

Die OP gestern

War lang… sehr lang, aber ich war unglaublich froh, als alles vorbei gewesen ist und ich in den Aufwachraum kam. Im Aufwachraum war ich deshalb, weil nach dem Einsetzen der Elektroden direkt der Stimulator eingesetzt wurde – und dieser Teil der OP erfolgte unter Vollnarkose. Doch nun der Reihe nach: zunächst die wichtige Info – es war alles so, wie vorab durch das Team der Unimedizin angekündigt. Es gab keine Überraschung. Wir starteten ca 08:15 Uhr mit der Montage des Stereotaxierahmens. Ich bekam an vier Stellen meines Kopfes eine lokale Betäubung. Die hielt die gesamte Operation. Auf Nachfrage sagte der Neurochirurg, dass es ihm in den letzten 15 Jshren nur einmal vorgekommen sei, dass er hierbei unter der eigentlichen OP nachspritzen musste… Beruhigend… Aber der Rahmen ist auch ein angsteinfössendes Hilfsmittel. Nachdem alles montiert war, brachte mich der Neurochirurg zum CT. Dort musste ich ein paar Minuten warten. Das eigentliche CT war dann schnell gemacht. Drei Minuten höchstens. Und die erste Möglichkeit, den Komfort des Rahmens kennenzulernen. Es war tatsächlich so, dass man seinen Kopf ohne Schmerzen hängen lassen kann. Obwohl ich mir das vorher nicht vorstellen konnte. Ich hatte also eine Idee, wie ich mich während der OP fühlen würde…

Nach dem CT ging es in den OP. Dort habe ich auch nochmal ca. eine Stunde gewartet, weil der OP doch durch eine kurzfristige OP blockiert war. Aber es gab ein paar nette Mitarbeiter, die mir die Wartezeit erträglich gemacht haben…

Dann ging es los: ab in die OP Vorbereitung mit viel Pieksen und Zwacken. An beiden Händen venöse Zugänge, am linken Arm ein arterieller Zugang. Dann hat mir der Chrirurg die Haare dort rasiert, wo er später arbeiten würde (er hatte in meiner Wartezeit nochmal den exakten Weg für die Elektrode festgelegt). Dann ging es ans Eingemachte. Ich wurde in den OP geschoben. Es lag eine erwartungsvolle Spannung in der Luft. Ich weiß nicht mehr genau, zu welcher Zeit das erste Bohrloch gemacht wurde. Das war der für mich Moment, vor dem ich den größten Respekt hatte. Jeder, der schon mal ein Loch in eine Regipswand gebohrt hat, weiß wie es ist, wenn man mit zuviel Schmackes bohrt. Man rauscht durch die Hohlräume dahinter wie nix gutes. Hinter meinem Schädel ist aber nun mal erwiesenermaßen kein Hohlraum! Sondern, und das beruhigt an der Stelle nicht wirklich, schmerzunempfindliche Hirnmasse, die natürlich andere Funktionen hat, als Bohrer aufzufangen. alles ging schneller als Gedacht und bevor ich mich versah, hatte der Neurologe bereits die erste Testelektrode begann zu testen. Hier war ich jetzt gefragt: ich musste zeichnen, schreiben und bestimmte Dinge aufzählen… und ich habe gemerkt, dass dies wirklich Sinn macht, weil bei unterschiedlicher Position und Stärke der Impulse unterschiedliche Resultate aufs Papier kamen. Endlich hatte der Professor die richtige Position gefunden. Das Zittern war fast vollständig weg. Und das unter solch einer stressigen Situation! Wahnsinn!

Dann wurde die endgültige Elektrode gesetzt und nochmals getestet. Dann erfolgte das Verschließen des Loches. Als alles fertig war, wusste ich, dass ich die Hälfte der Zeit hinter mir hatte.

Die zweite Hälfte lief genau nach dem gleichen Schema ab. Wir hatten allerdings einen Effekt, den wir in der ersten Runde nicht hatten. In der rechten Hirnhälfte sprach ich viel schneller auf die Stimulation an. Ich konnte plötzlich meine Linke Körperhälfte nicht mehr kontrollieren und kaum sprechen – das war schon Spooky. Aber sobald die Stimulation ausgeschaltet wurde, war alles wieder gut.

Irgendwas war anders mit der rechten Hirnhälfte, aber keiner war offensichtlich Irritiert. Neurologe und Neurochirurg haben sich kurz zurückgezogen und beraten. Dann wurde die besprochenen Schritte durchgeführt.

Beim Nähen des zweiten Loches hatte ich tatsächlich mehr Schmerzen als erwartet. Ich bekam direkt noch lokale Betäubung nachgespritzt und alles war wieder aushaltbar. Als das zweite Loch zu war, wurde der Stereotaxierahmen abgeschraubt und ich konnte meinen Kopf endlich wieder ablegen. Das muss so gegen halb vier gewesen sein.

Jetzt ging es noch kurz darum, ob der zweite Teil (Einsetzen des Stimulators und verbinden mit den Elektroden) durchgeführt wird. Ich habe wahrgenommen, dass es da eine kurze Besprechung durchgeführt wurde… Aber letztlich kam ich dran. Der Chirurg lies keinen Zweifel zu – das war mein Eindruck. Er hat sich nur eine kurze Pause genommen. Immerhin war er seit vielen Stunden ununterbrochen mit mir beschäftigt..

Im OP wurde es gefühlt kälter. Wahrscheinlich, weil kein Adrenalin mehr ausgeschüttet wurde… ich bat um eine zusätzliche Wärmedecke. Doch bevor ich diese bekam, schlief ich schon ein und wachte etwas desorientiert auf. Ich fühlte mich richtig gut und wollte nur noch zu meiner Frau, die draußen wartete…

Aber ich war dann noch für eine Zeit im Aufwachraum unter medizinischer Betreuung. Dann ging es zurück auf Station. Und – natürlich war meine Frau da. Und ich auch – wie ich es versprochen habe 😃.

Alles in Allem ein anstrengender und erfüllter Tag! Die darauf folgende Nacht war noch etwas anstrengend, weil ich nicht schlafen konnte und lieber die ganze Nacht eure lieben Reaktionen verfolgt habe – zudem haben die Wunden dann doch etwas geschmerzt (dagegen gab es eine Schmerztablette und dann war alles gut.

Am nächsten Tag stand ich in der Cafeteria der Unimedizin und tat etwas, was seit Jahren undenkbar war. Ich hielt eine volle Tasse Kaffee mit nur einer Hand! Sie zitterte nicht. Obwohl der Stimulator nicht eingeschaltet war. Das liegt am Setzeffekt – d. H. Einem erwarteten Effekt. Die stimulierten Areale haben noch genug Stimulation von den Elektroden an sich…

Aber irgendwann muss der Strom fließen. Nächste Woche!

Liebe Grüße und Danke für eure Unterstützung!

Ben

Schaut mal ich, keine 24 Stunden nach der OP!